AccelerationenDer Ball und seine Walzer

Es gibt, wenn überhaupt, nur ganz wenige Ballveranstalter, die auf eine nunmehr bereits 150 Jahre zurückreichende Tradition ihres Balles hinweisen können und denen so viele Walzer und andere Musikstücke von berühmten Komponisten agewidmet wurden, wie dem Ball der Industrie und Technik oder seinen unmittelbaren Vorgängern, dem Techniker-Ball bzw. Techniker-Kränzchen.

Das Zeitalter der Industrialisierung mit seinen vielfältigen Erfindungen löste viel Begeisterung und große Erwartungen aus, von denen auch berühmte Musiker und Komponisten der damaligen Zeit erfasst wurden.

So widmete Josef Lanner im Jahr 1842 den Walzer „Geistesschwingen“ den „Herren Hörern der Technik in Wien“.

Von Johann Strauß Vater sind aus dem Jahr 1847 die „Techniker Ball Tänze“ und der Walzer „Die Adepten“ überliefert.

Von Johann Strauß Sohn stammen zahlreiche Musikstücke mit derselben Widmung, darunter

Burschen-Lieder, Walzer, 1848
Electro-magnetische Polka (française), 1852
Motor-Quadrille, 1853
Schallwellen, Walzer, 1854
Sirenen, Walzer, 1855
Libellen, Walzer, 1856
Phänomene, Walzer, 1857
Cycloiden, Walzer, 1858
Irrlichter, Walzer, 1859
Accelerationen, Walzer, 1860
Klangfiguren, Walzer, 1861
Motoren, Walzer, 1862
Electrofor-Polka schnell, 1865

Josef Strauß, selbst Absolvent des k. k. Polytechnikums in Wien, wurde zu dem Walzer „Mein Lebenslauf ist Lieb’ und Lust“ , als er 1868 auf dem Techniker Ball dirigierte, ganz plötzlich inspiriert. Der Zettel, auf dem er rasch die Noten der Hauptmelodie festhielt, war lange Zeit im Besitz des Techniker-Cercle, ging aber im 2. Weltkrieg leider verloren. Dieser Walzer ist seither der traditionelle Eröffnungswalzer unseres Balles. Josef Strauß widmete den Technikern die Walzer „Streichmagnete“ und „Combinationen“ (1863 bzw. 1865) und die Polka française „Tanz-Regulator“ (1868).

Auch die Tänze der folgenden Komponisten, die dem Ball Comité des Techniker Balles gewidmet wurden, haben überwiegend mit technischen Erfindungen zu tun:

Eduard Strauß
Aus der Visur, Polka française, 1876
Mit frohem Muth und heiter’m Sinn, Walzer, 1877
Telephon-Polka (française), 1878
Mit der Strömung, Polka française, 1879
Hectograph, Schnell-Polka, 1880
Terpsichore, Polka Mazur, 1880
Herzenstelegraf, Polka Mazur, 1881

Karl Komzak
Phonograph, Polka française, 1890
Technikerblut, Polka française, 1892
Magnet, Polka française, 1892

Carl Michael Ziehrer
Reliefs, Polka Mazur, 1867
Wienerisch, Walzer, 1874
Liebestelephon, Polka Mazur, 1893

Aus den überlieferten Unterlagen ist zu entnehmen, dass Johann Strauß Vater, Johann Strauß Sohn, Josef und Eduard Strauß persönlich bei unseren Kränzchen und Bällen aufgetreten sind.

Die Ballveranstalter reichten als Damenspende kunstvoll gefertigte Miniaturmodelle der damals gerade aktuellen technischen Erfindungen bzw. Konstruktionen, wie z.B. einen Edison Phonograph oder das Riesenrad, die mit einem Häkchen am Ballkleid befestigt werden konnten.

Zu Zeiten der Monarchie war jeweils ein Mitglied des Kaiserhauses Protektor des Balles, so von 1892 bis 1911 Erzherzog Ferdinand Karl, 1912 gefolgt von Erzherzog Leopold Salvator.

In der ersten Republik hatten Spitzenpolitiker, wie der zu dieser Zeit amtierende Bundeskanzler das Patronat über den Ball übernommen. In der zweiten Republik standen die Bälle der Industrie und Technik unter dem Ehrenschutz des jeweiligen Bundespräsidenten oder Bundeskanzlers, die auch wiederholt persönlich die Eröffnung des Balles vornahmen.

Das Ballpräsidium steht an der Spitze des aus zirka 80 Paaren bestehenden Jungdamen- und Jungherrenkomitees, das den Ball mit Polonaise, Quadrille und dem traditionellen Linkswalzer eröffnet.

Der Einzug der Ehrengäste mit Repräsentanten aus Industrie und Wirtschaft, gefolgt von den Rektoren sowie Regierungsmitgliedern, unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung des Balles.

Aus die Bekleidungsvorschriften, für Damen bodenlanges Abendkleid und für Herren Frack oder Uniform mit Dekorationen bzw. Smoking, tragen dazu bei, dem Ball ein festliches Gepräge zu verleihen.

Ein Großteil der Besucher sind Mitglieder des Techniker-Cercle und ihre Freundes- und Verwandtenkreis. Viele Mitglieder des Techniker-Cercle stellen sich alljährlich zur Verfügung, um am Ball repräsentative und organisatorische Verpflichtungen sowie Überwachungsfunktionen zu erfüllen.

Für beschwingte Stimmung sorgen die stets zahlreich vorhandene, tanzfreudige Jugend und zwei abwechselnd aufspielende Tanzkapellen, die eine spezialisiert auf Wiener Walzer, die andere auf internationale Standard-Tänze.

Mit der Mitternachtsquadrille, an der jeder Ballbesucher teilnehmen kann, erreicht der Ball einen stimmungsmäßigen Höhepunkt.

Jene, die bis zum traditionellen Ballende um 5 Uhr früh ausgeharrt haben, erleben mit „Brüderlein fein“, gespielt mit zartestem Geigenklang, einen besinnlichen Ausklang des Ballfestes.

Schon seit Jahren zeichnen den Ball der Industrie und Technik echte Elegance und festliche Stimmung aus und machen ihn damit zum gesellschaftlichen Höhepunkt der Wiener Ballsaison.